Wohngruppe Mörikestraße eröffnet

An einem Werktag kurz vor 13 Uhr. Das Mittagessen köchelt auf dem Herd und leckerer Essensgeruch weht durch das Haus. Nach und nach kommen die Jugendlichen aus der Schule nach Hause und setzen sich schließlich zum gemeinsamen Mittagessen an den großen Esstisch.

Vor kurzem eröffnete die Jugendhilfe Creglingen e. V. in Bad Mergentheim eine neue vollstationäre Wohngruppe. Konzeptionell ist die Gruppe offen für alle Kinder und Jugendliche. Der Schwerpunkt liegt auf der Betreuung junger Geflüchteter.

Derzeit leben sechs Jugendliche im Alter von 14 bis 16 Jahren aus Afghanistan in dem sanierten Wohnhaus in der Mörikestraße. Durch die zentrale Lage der Gruppe sind Schule und Bahnhof schnell ohne lange Wege zu erreichen. Insgesamt können acht junge Menschen aufgenommen werden. Aufgrund baulicher Verzögerungen konnte die Gruppe noch nicht voll belegt werden. Die jungen Geflüchteten werden rund um die Uhr von einem Team aus vier pädagogischen Fachkräften betreut. Ein Mitarbeiter, der derzeit sein Anerkennungspraktikum im Rahmen seiner Ausbildung zum Erzieher macht, stammt selbst aus Syrien und kann sich gut in die jungen Menschen hineinversetzen, da er selbst als junger Geflüchteter nach Deutschland kam und in einer Wohngruppe gelebt hat. Um der Gesellschaft, die ihn so freundlich aufgenommen hat, etwas zurückzugeben, entschloss sich der junge Mann eine Erzieherausbildung zu machen.

Ziel der stationären Hilfe ist eine Hinführung zur Selbstständigkeit und die Integration der Jugendlichen. Dies fängt zunächst mit dem Erlernen der deutschen Sprache und der Vermittlung der kulturellen Werte und Normen an. Nachmittags steht regelmäßig Deutschunterricht in der Wohngruppe auf dem Programm. Derzeit unterhalte man sich mit „Händen, Füssen und dem Google-Übersetzer“. Die Jungen seien aber sehr lernwillig und haben schon tolle Fortschritte gemacht. Alle sechs haben Schulplätze erhalten und besuchen regelmäßig ihre Schulen. In der Wohngruppe finden die Jugendlichen Ruhe und einen sicheren Rückzugsort. Neben der Schule beschäftigen sich die Bewohner der Gruppe gerne kreativ. „Wir versuchen, die Jugendlichen auch in örtlichen Vereinen anzubinden und zu integrieren. Ein Jugendlicher zeigt starkes Interesse an Fußball“, so Tina Weise, Bereichsleiterin der stationären Hilfen bei der Jugendhilfe Creglingen. Weise lobt die jungen Menschen als „super hilfsbereit, zuvorkommend und gastfreundlich“. Neben ihren Diensten im Haushalt, die zum Leben in einer Wohngruppe gehören, haben die Jugendlichen freiwillig schon afghanische Gerichte für das Team gekocht. Essen hat insgesamt einen sehr hohen Stellenwert und sei immer wieder Thema.

Seit Monaten steigen die Zahlen der Geflüchteten nach Europa wieder stark an. Auch die Zuweisungen der unbegleiteten minderjährigen Auslänger (UmA) in den Main-Tauber-Kreis nehmen zu, so dass das zuständige Jugendamt im Landratsamt gefordert ist, diese jungen Menschen unterzubringen und zu betreuen. Als Minderjährige stehen sie unter dem besonderen Schutz des Staates und dürfen nicht in Gemeinschaftsunterkünften leben. Sie müssen durch das örtliche Jugendamt in Obhut genommen werden und finden Aufnahme in Wohngruppen oder Pflegefamilien. Einige sind in der Lage schon alleine zu leben. Sie bekommen dann Unterstützung in Form einer ambulanten Betreuung. In aller Regel erhalten die unbegleiteten minderjährigen Ausländer nach der Einreise einen Vormund. Das zuständige Amtsgericht betraut meist das örtliche Jugendamt mit dieser Aufgabe. Der zuständige Mitarbeiter trifft dann anstelle der Eltern alle notwendigen Entscheidungen für die Kinder und Jugendlichen und stimmt sich dabei mit der betreuenden Einrichtung ab.

Als stationärer Jugendhilfeträger im Main-Tauber-Kreis wurde die Jugendhilfe Creglingen gebeten, die jungen Geflüchteten aufzunehmen, berichtete Werner Fritz, Geschäftsführer der Jugendhilfeeinrichtung. Bereits in den Jahren ab 2015 hatte die Jugendhilfe Creglingen einige Gruppen für die UmA im Main-Tauber-Kreis und Würzburg. 2019 wurde die letzte Gruppe geschlossen, da der Bedarf nicht mehr vorhanden war. Aufgrund der ansteigenden Zahlen der Zuweisung an UmA sucht die Jugendhilfe Creglingen auch weitere Wohnungen, in denen junge Geflüchtete pädagogisch betreut werden können. Wer helfen möchte, und eine Wohnung zu vermieten hat, kann sich gerne an Michael Ebert Telefon 07931/949635 oder michael.ebert@ jugendhilfe-creglingen.de wenden.

 

 

 

Ihre Ansprechpartnerin

Gabriele Bachem-Böse
Dipl. Psychologin
Leitung des Main-Tauber-Instituts
Riemenschneiderbrücke 6
97993 Creglingen
Tel. (0 79 33) 92 22-0
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